Wiesbaden, 15. Januar 2026 – Der Sport in Deutschland steht vor einer strukturellen und finanziellen Belastungsprobe. Die neue, bevölkerungsrepräsentative Studie „Ausblick 2026: Sportkonsum in der Krise“ der Sportbusiness-Beratung ONE8Y, durchgeführt unter 1.102 sportinteressierten Menschen im Alter von 16 bis 69 Jahren, zeigt: Steigende Preise, wirtschaftliche Unsicherheit und sinkende Kaufkraft wirken sich 2026 deutlich stärker auf den Sportkonsum aus als noch im Vorjahr.
Im direkten Jahresvergleich steigt der Anteil der Sportinteressierten, die Einsparungen im Sportbereich planen, von 43 Prozent im Jahr 2025 auf 52 Prozent im Jahr 2026. Hochgerechnet betrifft das rund 20,8 Millionen Menschen in Deutschland. Das daraus resultierende potenzielle Einsparvolumen beläuft sich auf 427,4 Millionen Euro pro Monat – ein Anstieg um über 120 Millionen Euro monatlich gegenüber dem Vorjahr.
„Der Sport erreicht in Deutschland über 40 Millionen sportinteressierte Menschen (im Alter 16-69 Jahre). Wenn mehr als die Hälfte davon gezwungen ist zu sparen, ist das kein branchenspezifisches Signal mehr, sondern ein gesamtgesellschaftliches Warnzeichen“, sagt Hendrik Fischer, CEO von ONE8Y. „Der Sport steht damit mitten in der wirtschaftlichen Realität dieses Landes.“
Die wirtschaftliche Lage wird von der sportinteressierten Bevölkerung 2026 signifikant häufiger als ernstes Problem wahrgenommen als im Vorjahr. Sowohl Inflation als auch allgemeine Wirtschaftskrise werden zunehmend als „großes“ oder „sehr großes Problem“ eingestuft. Parallel wächst die Sorge, in den kommenden sechs bis zwölf Monaten laufende Rechnungen nicht mehr zuverlässig bezahlen zu können. Diese Entwicklung bleibt nicht abstrakt, sondern übersetzt sich direkt in konkretes Verhalten: Der Sport wird nicht länger als geschützter Bereich betrachtet, sondern rückt zunehmend in den Fokus privater Sparmaßnahmen.
Während Einsparungen 2025 vielfach noch als temporäre Reaktion verstanden wurden, zeigt sich 2026 ein klarer Strukturwandel. Die Mehrheit derjenigen, die Einschnitte im Sportbereich planen, geht von einer Dauer zwischen sechs und zwölf Monaten oder sogar länger aus. Damit entwickelt sich aus kurzfristiger Konsumzurückhaltung ein nachhaltiges Risiko für den gesamten Sportmarkt – von Proficlubs über Veranstalter bis hin zu Breitensportstrukturen.
Die Einsparungen der sportinteressierten Bevölkerung konzentrieren sich 2026 zunehmend auf jene Bereiche, die bislang als besonders konsum- und umsatzstark galten. Vor allem Ausgaben für Fanartikel, Sportreisen und die Teilnahme an Wettkämpfen stehen unter Druck. Auch kostenintensive, regelmäßig wiederkehrende Ausgaben wie Pay-TV- und Streaming-Abonnements mit Sportinhalten sowie Stadionbesuche werden von vielen Befragten kritisch hinterfragt. Gleiches gilt für Mitgliedschaften in Fitnessstudios und Sportvereinen, die bislang als vergleichsweise stabile Erlösquellen galten.
Im Jahresvergleich steigt der durchschnittliche Anteil der Sportinteressierten, die angeben, in diesen Bereichen künftig weniger Geld auszugeben, von 37 Prozent im Jahr 2025 auf 40 Prozent im Jahr 2026. Damit verlagert sich der Sparfokus weiter von einzelnen Verzichtsentscheidungen hin zu einer breiten Zurückhaltung entlang der gesamten sportbezogenen Wertschöpfungskette.
Trotz der zunehmenden wirtschaftlichen Belastungen bleibt die emotionale Bindung vieler Fans an ihre Clubs und Sportarten grundsätzlich bestehen. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass emotionale Nähe sinkenden Konsum nicht automatisch auffängt. Ein relevanter Teil der sportinteressierten Bevölkerung gibt an, Fan zu bleiben, zugleich aber deutlich weniger Geld für sportbezogene Angebote auszugeben. Parallel wächst der Anteil jener, bei denen der rückläufige Konsum mittelfristig auch zu einer schrittweisen Entfremdung vom Profisport führt.
Vor diesem Hintergrund formulieren die Befragten keine Forderungen, sondern klare Wünsche an Clubs und Ligen. Besonders häufig genannt werden günstigere oder flexiblere Ticketmodelle, eine stärkere Wertschätzung von Fanloyalität, zusätzliche kostenlose oder digitale Angebote sowie mehr Transparenz bei Preisen und Kosten.
„Diese Ergebnisse zeigen sehr klar, dass viele Fans den Zugang zum Sport erhalten wollen, ihn sich unter den aktuellen Rahmenbedingungen aber zunehmend nicht mehr leisten können“, sagt Hendrik Fischer. „Wenn selbst eine große, emotional stark gebundene Bevölkerungsgruppe ihren Sportkonsum dauerhaft einschränkt, ist das kein individuelles Konsumproblem mehr, sondern eine systemische Frage.“
Fischer ergänzt: „Der Sport erfüllt zentrale gesellschaftliche Aufgaben – von Gesundheitsförderung über Integration bis hin zu Gemeinschaft und Identität. Politisch wird er aber weiterhin wie ein normaler Konsumbereich behandelt. Bleiben gezielte Entlastungen aus, droht der Sport schleichend an Zugänglichkeit zu verlieren – mit Folgen weit über den Markt hinaus.“
Die Studienergebnisse stammen aus der ONE8Y Database, der weltweit ersten lizenzbasierten Marktforschungsdatenbank für das Sportbusiness. In dieser Datenbank lassen sich valide Marktforschungsdaten aus über 40 Ländern zu vielfältigen Sportmarketing- und Business-Themen finden.
ONE8Y wurde 2018 gegründet und zählt zu den führenden Sportbusiness Beratungen in der DACH-Region. Das Unternehmen vereint Marktforschung mit Beratungsleistungen und unterstützt ihre Kunden entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Sitz der Beratung ist Wiesbaden. Mehr unter www.one8y-db.com
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Hendrik Fischer, CEO